Fortsetzungsgeschichte zur Adventszeit
Überall glitzert die Weihnachtsdekoration, so dass auch gorizi.de nicht an sich halten kann. Viel Spaß beim Lesen, auch denen die Weihnachten nicht feiern!
Kapitel 5: Heiligabend. Herzen.
Verliebt
Ihre Bewegungen, ihre Haare, ihre Augen, ihre Lippen, wenn sie lachte und einen Blick auf ihre makellosen Zähne preisgab. Das waren die Dinge, die Katja auf einmal auffielen. Sie achtete gar nicht so sehr darauf, dass ihre Arbeit vielleicht nur halb perfekt war. Für sie waren es die schönsten Aufnahmen der Welt.
Die vierte Kerze war bereits ganz herunter gebrannt, als der 23. Dezember sich dem Ende zuneigte. Katja musste ein letztes Mal für dieses Jahr zurück in ihr Studio, nur noch, um die letzten Aufnahmen zu beenden.
Sie sah auf ihre Füße. Schritt für Schritt bewegten sie sich vorwärts. Erst links, dann rechts nachziehen, dann links, dann ---
Weihnachtsdienst
Plötzlich standen vor ihr andere Füße, und sie sah an ihre Chefin hoch. „Sagten Sie nicht, sie würden den Weihnachtsdienst machen?“, fragte diese, und klang nicht sehr erfreut; kein Wunder, wenn Katja erst vor zwei Tagen ihren Resturlaub eingelöst hatte. Aber als sie zugestimmt hatte, da war Weihnachten noch nichts für sie gewesen.
„Meine Entscheidung steht fest. Ich habe etwas zu tun,“ versuchte sie sich zu erklären, scheiterte damit aber offensichtlich. „Sie müssen arbeiten. Andere müssen es ja auch, dank Ihnen.“
Und Katja erschrak. Richtig, sie hatte einen Weihnachtsdrehtag angezettelt, und sie war diejenige gewesen, die unbedingt vor Neujahr die neuen Produktionen anfertigen wollte.
Weihnachtsarbeit
An Heiligabend waren alle da. Emma, die wieder Filmrollen trug, aber einen gehörigen Bogen um Katja machte. Das war traurig, weil Katja sie so gerne aus der Nähe sah. Aber sie hatte das Gefühl, dass irgendetwas zwischen ihnen war, das wie eine Barriere aus Eiskristallen ihren Blick verschleierte.
Tobi war da und wuselte in der Maske herum, und auch ihre anderen Angestellten waren unglücklich, aber anwesend. Sie selbst stand neben sich, und hätte am liebsten den Tag beendet. Es folgte sowieso nur ein stillschweigender, silberner Tannenbaum aus teurem Metall, der in ihrem perfekten Wohnzimmer stand und sie anödete.
Katja wusste, dass nur sie etwas an dieser Situation würde verändern können. Aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt. Und sie würde doch nein sagen, so ängstlich, wie sie erschien.
„Sie können alle gehen. Haben Sie ein schönes Weihnachtsfest,“ verkündete sie. Überraschung machte sich breit wie ein Feuer der Freude, denn eigentlich war der ganze Tag verplant gewesen.
„Emma, können Sie bitte zu mir kommen,“ fragte sie mehr, als sie es anordnete. Warum Katja sie siezte? Diese Frage stellte sie sich selbst, aber irgendwie... brachte sie es nicht fertig, weiter Macht auf dieses Wesen auszuüben. Sie war so frei, so unschuldig, dass sie es nicht verdient hatte, so in die Ecke gedrängt zu werden...
Überwindung
Ihre Augen fragten, was los sei, und Katjas Gedanken waren wie weggeblasen. Sie war frei von allen Dingen, die sie sagen wollte, und musste deshalb stottern, um Zeit zu gewinnen.
Sie drehte sich um, um beschämt festzustellen, dass sie keinen einzigen Satz zustande gebracht hatte. „Wollten Sie etwas von mir?“, und ihre Unschuldsstimme kam der eines Engels gleich. Katja schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Nein, ist schon in Ordnung, gehen Sie ruhig zu ihrer Familie und feiern Sie Weihnachten...“
Hinter ihrem Rücken legte Emma den Kopf schief. „Okay, dann gehe ich jetzt, in meine Wohnung, in der ich alleine wohne...“ Katja nickte und ging.
Sie ging einfach, um nicht zu schweigen. Sie war allein. Sie waren beide allein. Es wäre so einfach, wenn doch nur... ihre blöden Gedanken, jetzt waren sie da, doch würde sie sich umdrehen und dieses hübsche Gesicht sehen und merken, wie sie angesehen wurde, dann-!
„Einfacher kann ich es Ihnen nicht machen!“ Ihre Stimme schnitt durch die Stille wie durch Papier. „Es liegt an ihnen“ und dieser Teil klang deutlich verzweifelter. Katja drehte sich herum und sah ihr in die Augen, die wie Edelsteine aussahen, so rein war die Farbe.
„Wollen Sie mit mir feiern, Emma?“
Emma lächelte.
„Wenn Sie mich endlich wieder duzen“ und sie zwinkerte Katja zu. Katja atmete auf. Gerade war ihr klar geworden, dass sie dieses Weihnachten nicht alleine sein würde. „Ich hab gar keinen richtigen Tannenbaum“ gab sie kleinlaut zu. „Und? Ich habe gar keinen“ lächelte Emma. „Wollen wir einen Tannenbaum kaufen gehen?“ Emma nickte.
Und Katja war froh. Sie war nicht mehr alleine. Und sie hatte das Gefühl, dass dies auch so schnell nicht wieder vorkommen würde.
Frohe Weihnachten!
Diese Geschichte ist von unserer gorizi-Nutzerin Honigfee.














