
Fortsetzungsgeschichte
Noemi Berens lebt ihr Leben, wie sie es möchte. In der Schule schläft sie, nachts probt sie mir ihrer Band und am Wochenende treibt sie sich auf Festivals herum. Ihre Mutter ist verzweifelt, aber Noemi mag ihr Leben. Sie ist beliebt, hat immer Spaß und will später nicht studieren.
Dann kommt Agnes Wendt neu in die Klasse, die mit ihrem streng katholischen Glauben nicht auf Gegenliebe trifft...
Kapitel 4: Überaschungen
Der Bär
Philosophiewettbewerb. Agnes trat gegen einen Stein, der über den dreckigen Boden. Sie liebte Philosophie, es war nicht so, dass sie das nicht mochte. Aber es würde sich nicht gut mit ihren Mitschülern verstehen. Agnes hatte keine Angst vor ihnen, aber sie hatte das Gefühl, dass sie Angst haben sollte.
„Ich bin zuhause!“, rief sie und schloss die Tür leise. „Mama?“ Als niemand antwortete, betrat sie das dunkle Wohnzimmer und tastete sich zum Lichtschalter. Ihre Hand strich über etwas warmes, pelziges, und sie erschrak und schlug aus Reflex zu.
Ihr kleiner Bruder lachte und warf sich auf den Boden, während Agnes völlig aufgelöst das schwingende Bärenfell betrachtete, das, wie gehängt, von der Decke baumelte.
„Agi, du bist lustig!“, jauchzte er und grinste. „Mami hat einen Bären gekauft!“
„Das sehe ich,“ wollte Agnes sagen, aber sie verkniff sich einen Kommentar. „MAMA!“ rief sie nun etwas lauter.
Der Mann mit dem Bär
„Mami ist weggegangen mit dem Mann, der ihr den Bären geschenkt hat,“ erklärte Martin. „Schon vor viel langer Zeit!“
„Vor GANZ langer Zeit,“ verbesserte Agnes und seufzte. Sie hatte keine Ahnung, wer der Mann mit dem Bären sein könnte, aber sie kapitulierte und nahm ihren Bruder an die Hand. „Komm, wir gehen ins Bett,“ und verschwand mit ihm nach oben.
Cinderella
„Cinderella!“ Noemis Rufe hallten über das dunkle Wasser. „ Cinderella!“ Aber niemand meldete sich.
Noemi wollte schon aufgeben, als sie das Licht unter der Brücke sah. „Cinderella!“ Erleichtert lief sie darauf zu, denn von ihr hing ab, ob ihre Mutter ihr lebenslangen Hausarrest erteilen würde. „ich hab dir was mitgebracht!“
Cinderella schlang das Baguette in sich hinein und rülpste. „Kommt vom Alkohol,“ nuschelte sie und pickte die Krümel aus der Tüte. „'Tschuldige.“
Noemi lächelte. „Cinderella, ich brauch deine Hilfe,“ begann sie, und beobachtete ein wenig ängstlich die Reaktion der Obdachlosen. „Hilfe von 'nem Penner? HA! Du bist verzweifelt, Kind, sehr verzweifelt,“ grinste sie und lachte schallend. „Ja, das bin ich, bitte! Sag mir, dass du mir hilfst!“ „Benutzte 'n Baguette als Köder, oder was?“ Misstrauisch geworden zog Cinderella sich zurück. „Was willste, hm?“
Bitte
„Du musst so tun, als seist du meine Mutter.“ Jetzt war es raus. Noemi atmete sehr viel Luft aus und entspannte sich, während sie ein Stoßgebet zum Himmel schickte. Lieber Gott, wenn es dich gibt, lass Cinderella eine gute Mutter sein.
„Einmal wieder Mami sein... du hast es echt drauf, die
Stimmung zu zerstören, Noemi.“ Plötzlich wurde ihr Blick glasig und sie starrte
in die Flammen des kleinen Feuers.
„Echt, du hast es drauf...“ Noemi hatte völlig vergessen, dass Cinderella weder ein
Sorge- noch ein Umgangsrecht mit ihren Kindern pflegen durfte. „Tut mir leid,“ flüsterte sie beschämt. „Ich... ich hab
nicht daran gedacht, dass...“
Cinderella winkte ab. „Schon gut, Noemi. Du bist 'n guter
Mensch. Echt. Ich mag dich.“
„Ich mag dich auch.“















