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Das Glück und seine Neider - Kapitel 9

Kapitel 9: Zwischenwelten.

 

Traumhaft

Der Duft von Rosen stieg ihr in die Nase und kitzelte sie am Kinn. Geborgenheit hieß sie willkommen, als sie den Tempel der Düfte betrat, geführt von Lust und Neugier. Es gab nichts, was sie nicht hätte erreichen können von hier. Es gab Düfte für und gegen alles. Für Moline. Gegen Moline. Sie drang tief in die andere Welt vor, setzte einen Schritt vor den nächsten und versuchte in der Verwirrung zu bestehen und geradeaus zu laufen. Der goldene Armreif schwang vor und zurück, immer im Takt ihrer Schritte so als tanze er zur Musik, die nur Carina hören konnte. Sie lief und lief und kam nirgendwo hin. Sie ging geradeaus im Kreis herum, als ob sie verkehrt herum auf einem Rollband gegen die Geschwindigkeit der Welt kämpfte. Das Glück ist ein Pessimist. Es ist nie da, wenn man es braucht.

Carina war es unmöglich, zwischen sich und den Düften zu trennen. Sie spürte keine Schmerzen. Sie löste sich einfach auch. Sie verschwand zwischen den Wirbelstürmen ihrer eigenen Seele. Sie wollte nicht zurück in die Welt, die ihr so grausam erschien, die sie vor den Kopf gestoßen hatte und Bauchschmerzen machte.

Langsam lichteten sich die Nebelschwaden, die sich um sie gebildet hatten, und sie erkannte das grelle Licht, das auf sie gerichtet war. Sie war der Mittelpunkt. So tief war die Welt gesunken, dass sie sich einen so hässlichen, ekelhaften Mittelpunkt suchte. Sie hasste diese Menschen, die um sie herum standen. Sie hatten ihr den Traum weggenommen. Sie hatten ihr das letzte von Moline genommen, das ihr geblieben war.

Und der goldene Armreif lag schwer und kühl an ihrem Handgelenk und zog sie auf die Erde zurück.

Familienglück

Moline hastete von einer Tür zur nächsten, und es war nicht möglich, sie zu öffnen. Immer wieder schlossen sie sich und zeigten ihr, dass es kein Entrinnen gab. Der Flur war tausend Meter lang, und auch nach tausend Metern hörten die Türen nicht auf.

Moline wollte schreien, weinen, um sich schlagen, aber etwas hielt sie fest. Jean stand hinter ihr.

„Es wird dir gut gehen bei mir,“ flüsterte er, „so gut wie sonst nirgends. Geborgenheit. Wer braucht Geborgenheit, wenn er Gewissheit haben kann? Gewissheit, dass einige Dinge niemals ans Licht kommen werden, weil die Fotos, die davon existieren, nur in meinem Album zu finden sind. Ich nenne es das „Skand-Album“. Es sind schöne Dinge darin, Moline. Sieh es dir an. Danach weißt du, wie gut es dir geht...“

Eine Kaffeetasse klirrte, als Manon sie schwungvoll auf den Unterteller zurücksetzte. Moline schrak auf. So hatte sie das nicht gewollt. Sie hatte nichts davon gewollt.

„Von Wollen kann keine Rede sein...“ sagte sie, mehr zu sich als zu den anderen Menschen, die es nicht gab. Ohne Inneres gab es keine Menschen, es gab niemanden, der so traurig war wie sie. Wenn es niemanden gab, der so war, dann konnte sie keiner verstehen... Niemals.

„Hast du was gesagt, Schatz?“ fragte Jean, in seiner Stimme der Geruch von Süßholz und Zucker. Moline schüttelte den Kopf.„Immer in Gedanken, meine Süße“; lachte Jean und wendete sich den anderen zu.

Bald würden sie zu zweit unglücklich sein. Denn in Moline war noch jemand. Ein Zellhaufen, den sie nicht haben wollte. Ein Zellhaufen, der Tag für Tag wuchs und größer wurde.

 

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Die Geschichte ist von unserer gorizi-Nutzerin Honigfee.
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