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Das Glück und seine Neider - Kapitel 19

Kapitel 19: Bühne frei.

 

Lampenfieber

Die Scheinwerfer brannten förmlich in ihren Augen und nahmen ihr die Sicht auf alle die, die dort unten standen und ihr entgegen fieberten. Moline trat auf die Bühne und ging zum Mikrophonständer. Sie überlegte und dachte nach, wie der erste Liedtext war. Jean hatte so recht gehabt, sie war nicht zum Singen hier. Sie wollte nur ihre Frau wiedersehen, ein Blick hätte schon gereicht.

Das leise Intro des Klaviers begann und Moline wurde bewusst, dass sie keinen passenden Text hatte, den sie singen konnte. Sie summte ihre Melodie, wie sie ihrer Tochter immer vorgesummt hatte, wenn sie schlafen musste.

Sie spürte wie es sie überrollte, diese Woge des Glücks, als sie ihre eigene Stimme tausendfach verstärkt im Nachthimmel hörte. Mit einem Mal dachte sie, dass es vielleicht gar nicht so schlimm wäre, keinen Text zu haben. Sie beachtete nicht ihren Ehemann, der fluchend hinter dem Vorhang stand, und auch nicht ihre Mutter, die von der anderen Seite den Text mit ihren Lippen formte. Sie lebte für die Musik. Und obwohl sie eigentlich nur ein Vorwand gewesen war, um heute hier sein zu dürfen, war sie jetzt gerade erfüllt und fragte sich, wie sie es so lange ohne dieses Gefühl ausgehalten hatte. Leben strömte in ihren Körper und sie nahm sich plötzlich wahr, als hätte jemand die Watte weggezogen und sie endlich in die Welt entlassen.

Ärgernis

Jean fluchte und stampfte mit dem Fuß auf, als außer lalala nichts durch die Lautsprecher schallte. Es passte ihm ganz und gar nicht, wenn seine Frau sich einen eigenen Kopf machte und irgendetwas außer planmäßiges geschah.

Er überlegte, wie er dieses Missgeschick am Besten der Presse erklärte, und bahnte sich seinen Weg zu Manon, die auf der anderen Seite dasselbe zu denken schien. Jean war wütend. Sehr wütend.

Planänderung

„Manon, gut, dass ich dich sehe.“ Jean zog sie zur Seite, und sie konnte den Gesang ihrer Tochter hier, hinter den Lautsprechern nicht so schön hören wir direkt an der Bühne.

„Was ist?“ fragte sie ein wenig genervt, obwohl sie sich denken konnte, dass Jean wütend war. Das klang nicht nach ihm, was Moline da sang, sondern nach ihr selbst, nach dem verletzlichen und zarten Wesen, das sie immer gewesen war.

„Wie erklären wir das? Moline ist verrückt geworden? Moline hat den Verstand verloren? Moline ist zu dumm, sich einen Text zu merken?“ Jean geriet immer mehr in Rage und schrie förmlich, ein Wunder, dass das sensible Mikrophon nicht auch seine Stimme übertrug.

Er hätte auch ewig weiter geschrien, wenn nicht in diesem Augenblick etwas Goldenes den Gesang störte. Jemand hatte einen goldenen Armreif oder etwas Ähnliches, genau konnte Manon das ohne Brille nicht sehen, auf Moline geworfen. Moline hatte aufgehört zu singen und besah den Armreif.

Sie musste hier sein. Das war ihr Armreif, der seit jener Nacht verschwunden war. Sie war hier. Und sie hatte an Moline gedacht.

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Die Geschichte ist von unserer gorizi-Nutzerin Honigfee.
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