User login

gorizi.de
Bundesweites Portal für junge Lesben

Rosenrot und Schneeweißchen

Elster

Dabei seit 27.05.10

Elster's Avatar

04.06.10 | 11:24

Rosenrot und Schneeweißchen

Es war einmal eine nicht mehr ganz so junge Frau, die alleine am Rande der Stadt wohnte.
Das einzige, was sie hatte, war ihr wunderschöner Garten mit den allerschönsten Blumen, die man sich vorstellen kann.
Eines Tages merkte die Frau, dass sie einsam war.
Traurig stand sie vor ihren schönsten Rosen und sprach mehr zu sich:
„Ach hätte ich doch ein Kind, so wundervoll Rot wie meine geliebten Rosen.“
Als sie diesen Wunsch sprach fiel ein einziges rotes Rosenblütenblatt auf den Boden.
Am nächsten Morgen fand sie genau an der Stelle einen Korb in dem ein wunderschönes kleines Kind lag. Es war ein Mädchen mit glutrotem Haar und einem erdbeerrotem Mund.
Glücklich schloss sie das Kind in die Arme und von diesem Tag an war sie nicht mehr einsam.
Sie hegte und pflegte das kleine Mädchen und nannte sie Rosenrot.
Eine zeitlang war sie sehr glücklich.

Irgendwann jedoch fiel ihr auf, das nun Rosenrot einsam war.
Sie hatte zwar eine Mutter, doch in dieser verlassenen Gegend niemanden zum Spielen.
Als der erste Schnee fiel, stand die Frau wieder im Garten vor dem Rosenbusch.
„Ach hätte ich doch ein zweites Kind, so wundervoll Weiß wie der erste Schnee“
Als sie diesen Wunsch sprach, fiel eine einzige kristallzarte Schneeflocke auf den Boden.
Am nächsten Morgen fand sie genau an der Stelle ein kleines Mädchen in einem Korb.
Ihr Haar und ihre Haut waren weiß wie der junge Schnee, deshalb nannte sie das Kind Schneeweißchen.
Nun war die Frau wunschlos glücklich, nahm den Korb mit ins Häuschen und zu dritt lebten sie alle zusammen.

So zogen die Jahre ins Land.
Rosenrot und Schneeweißchen wuchsen zu anmutigen, jungen Mädchen heran.
Sie waren beinah unzertrennlich, obwohl sie sich charakterlich doch sehr unterschieden.
Rosenrot hatte ein dynamisches Wesen voller Leben, Lachen und Energie.
Wenn Rosenrot wütend war, konnte nur Schneeweißchen sie beruhigen.
Schneeweißchen war die ruhigere, schüchtern aber mit kühlem, logischem Verstand.
Wenn Schneeweißchen traurig und still war, konnte nur Rosenrot sie aufmuntern.

Eines Abends im Winter, saßen sie zu dritt in der Stube. Die Mutter nähte etwas, Rosenrot versucht sich im Holz schnitzen und Schneeweißchen las friedlich ein Buch.
Da klopfte es an der Tür.
Die Mädchen erschraken sehr, doch die Mutter meinte:
„Nur Mut, vor der Tür ist wahrscheinlich ein armes Wesen auf der Flucht vor der Kälte“

Also fasste sich Rosenrot ein Herz und öffnete die Türe.
Ein großer roter Kater steckte seinen pelzigen Kopf zur Türe herein und sprach:
„Ich armes Katerchen erfriere dort draußen, darf ich mit euch die Stube teilen, bis der Tag wiederkommt?“
Keine der Damen wollte herzlos sein und somit durfte der Kater ans Feuer und sich den Pelz wärmen.
Die Mädchen klopften im den Schnee aus dem Fell und verloren bald alle Scheu.
Von da an kam der Kater jeden Abend zum Haus der Drei und suchte Schutz vor der Kälte.
Rosenrot raufte und spielte immer mit ihm und Schneeweißchen streichelte ihm das Fell.
Am Morgen öffnete immer eines der Mädchen die Türe und er tapste in die Kälte.

Bald schon kam der frische Frühling. Die ersten Blumenknospen begrünten den Garten und manch fröhlicher Vogel kehrte zurück.

Eines Tages sprach die Mutter zu Rosenrot und Schneeweißchen:
„Kinder, ihr seid mir das höchste Glück, doch ich werde nicht ewig leben und möchte euch für die Zukunft versorgt wissen.
Um einen Mann mit langfristigen Absichten anzulocken, müsst ihr euch etwas mehr zurecht machen.
Deshalb schicke ich euch in die Stadt, dass jede sich ein Paar Schuhe mit hohem Absatz holt.
Das wirkt attraktiv auf Männer.“

Die Mädchen wollten artig sein, also begaben sie sich auf den Weg in die Stadt, um das Gewünschte zu kaufen. Die Mutter hatte ihnen genug Geld mitgegeben, so dass sie sich darum keine Sorgen machen mussten.
Der Kater begleitete sie.
In einem schönen Schuhladen fanden sie direkt jeweils ein paar Schuhe.
Einmal in Rot, einmal in Weiß.
Doch als sie die Schuhe anprobierten, wollten diese nicht passen.
Sie probierten jede Größe in dem Laden doch keine passte.

Und so geschah es in jedem Schuhgeschäft, dass sie aufsuchten, kein Schuh wollte passen.
Abends saßen sie im letzten Schuhgeschäft und schauten sich traurig an, sie wollten doch die Erwartungen der Mutter nicht enttäuschen.
Schließlich sprach der Kater:“ Mädchen, wenn euch kein Schuh passt, müsst ihr auch keinen kaufen. Lasst uns nach Hause gehen.“
Das war vernünftig, also kehrten sie nachhause zurück und erzählten ihrer Mutter alles.
Diese strich Schneeweißchen und Rosenrot übers Haar und meinte:
„Mädchen, ich bin nicht enttäuscht. Wenn etwas nicht passt, passt es eben nicht.“
Sie umarmte die zwei und das Thema wurde nicht mehr angesprochen.

Eine kleine Weile verging, doch dann sprach die Mutter wieder zu ihren Mädchen:
„Kinder, ihr seid mein Sonnenschein, das es euch auch in Zukunft gut geht ist mein höchster Wunsch und dazu muss ich euch versorgt wissen.
Um einen Mann mit langfristigen Absichten anzulocken, müsst ihr euch etwas mehr zurecht machen.
Deshalb schicke ich euch in die Stadt, dass jede sich ein hübsches Korsett zum Schnüren holt.
Das wirkt attraktiv auf Männer.“

Diesmal wollten Rosenrot und Schneeweißchen ihre Mutter nicht enttäuschen.
Also begaben sie sich zusammen mit dem Kater in die Stadt und suchten ein passendes Geschäft.
Sie fanden sehr bald eines und dort wieder rum zwei hübsche Korsetts.
Eines in Rot und eines in Weiß.
Doch als sie es anprobierten, passte es nicht.
Zu eng zu weit, was sie auch taten, es wollte einfach nicht passen.
Und so geschah es in jedem Geschäft, das Korsetts verkaufte.
Abends saßen Rosenrot und Schneeweißchen im letzten Geschäft und schauten sich traurig an, schon wieder hatten sie ihre Mutter enttäuscht.
Schließlich sprach der Kater:“ Mädchen, wenn euch kein Korsett passt, müsst ihr auch keines kaufen. Lasst uns nach Hause gehen.“

Das war vernünftig, also kehrten sie nachhause zurück und erzählten ihrer Mutter alles.
Diese strich Schneeweißchen und Rosenrot übers Haar und meinte:
„Mädchen, ich bin nicht enttäuscht. Wenn etwas nicht passt, passt es eben nicht.“
Sie umarmte die zwei und das Thema wurde nicht mehr angesprochen.

Es verging wieder eine kleine Weile und sie lebten zu dritt mit dem Kater in absoluter Harmonie und Freude.
Doch eines Tages als Rosenrot und Schneeweißchen aus der Stadt zurückkehrten, wurde sie von ihrer Mutter im Garten erwartet.
„Meine liebsten Mädchen, da es anscheinend etwas schwieriger für euch ist geeignete Männer zu finden, habe ich mich selbst auf die Suche begeben und schaut wen ich euch mitgebracht habe.“
Stolz öffnete sie die Türe. Im Haus waren zwei junge Männer, die die Mädchen entfernt aus der Stadt kannten. Beide waren recht ansehnlich, trugen schicke Anzüge und jeder hielt eine kleine Schachtel in der Hand.
Einer wandte sich an Rosenrot, kniete vor ihr nieder und ergriff ihre Hand:
„Liebste Rosenrot, ich sah dich schon einige mal in der Stadt und habe mich unsterblich verliebt. Bitte gib mir die Ehre deiner Hand zur Hochzeit.“
Er öffnet die Schachtel.
Darin befand sich ein wunderschöner Ring mit großen Rubinstein obendrauf der im allerschönsten Rot leuchtete.
Bevor Rosenrot antworten konnte, ergriff der andere Mann das Wort, kniete vor Schneeweißchen nieder und sprach:
„Liebste Schneeweißchen, ich sah dich auch schon einige mal in der Stadt und habe mich unsterblich in dich verliebt. Bitte gib mir die Ehre deiner Hand zur Hochzeit. Ich verspreche auf ewig für dich zu sorgen.“
Er öffnete die Schachtel.
Darin befand sich ein herrlicher Ring mit der großen reinweißen Perle obendrauf die wie ein Stern leuchtete.
Rosenrot und Schneeweißchen schauten erst erschrocken auf die beiden vor ihnen knienden Männer und dann sich gegenseitig an.
Schließlich sprach die Mutter:“ Mädchen nicht so schüchtern. Das ist doch alles was wir uns erträumt haben. Na los, probiert die Ringe an!“
Um ihre Mutter nicht zu enttäuschen zwangen die Mädchen sich zu einem Lächeln und jede probierte ihren Ring an.
Sie passten nicht.

In dem Moment kam der Kater durch die Türe und setzte sich mitten in die Szenerie.
Rosenrots Freier fing an zu husten und nach Luft zu schnappen, während Schneeweißchens Freier sich plötzlich überall kratzte.
„Das Vieh muss weg“ japste der eine.
„Wir haben beide eine Katzenhaarallergie“ sprach der andere.

Da erhob der Kater das Wort:
„Mädchen, ihr müsst keine Ringe tragen, die nicht passen.
Ward ihr nicht vorher schon glücklich?“
Einen Moment war es still und die Luft schien vor gespannter Erwartung zu bersten.
„Das stimmt“, antwortete schließlich Rosenrot. Sie griff nach Schneeweißchens Hand.
„wir brauchen keinen Mann um glücklich zu sein.“
„Wir waren uns schon immer genug und miteinander vollständig, das ist nur vernünftig.“
fügte Schneeweißchen hinzu.
Und um ihre Worten zu bekräftigen, gaben sie sich einen zarten Kuss auf die Lippen.
Jetzt endlich musste es auch ihre Mutter einsehen.
Sie umarmte die zwei Mädchen und sprach:
„Ach meine Kinder, es tut mir so leid, das ich euch eine Rolle aufdrängen wollte, die euch nicht passen kann. Wenn ihr zusammen glücklich seid, kann ich mich doch nur für euch freuen.“

Die zwei Männer mussten leider wieder gehen.
Doch das machte nichts, auf dem Nachhauseweg trafen sie ihre zwei Traumfrauen, die auch mit einer Hochzeit sofort einverstanden waren.

Rosenrot und Schneeweißchen lebten von nun an ohne Zwänge und in absoluter Vollendung.
Zusammen mit Mutter und Kater in dem Häuschen.
Und wenn sie nicht gestorben sind so leben sie noch heute.

 

krümelchen14 (not verified)

Dabei seit 01.01.70

's Avatar

04.06.10 | 20:49

cooles märchen kreisch
hast du das selbst umgedichtet? ich mochte das früher als kleines mädchen schon immer so gerne...
lg lächelnd

 

Elster

Dabei seit 27.05.10

Elster's Avatar

06.06.10 | 13:32

Hey Krümelchen,

das habe ich im Rahmen meiner momentanen Examensarbeit umgedichtet.
Es soll gerade etwas über die Subkultur der lesbischen Liebe erzählen zwinker

Also falls dir irgendein Punkt daran nicht gefällt sag mir ruhig Bescheid, ich freue mich über jede Kritik lächelnd

 

Philo

Dabei seit 12.04.10

Philo's Avatar

08.06.10 | 17:11

Ich finds schön - viel besser als das ursprüngliche Märchen*grins*

*****

Wenn man bedenkt, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt

 

Jojogirl

Dabei seit 26.03.10

Jojogirl's Avatar

08.06.10 | 18:39

Philo hat recht,viel besser!