Anlässlich Ihres Siebzigsten Geburtstag hat unsere Schirmfrau Anke Schäfer folgendes Gedicht über ihr Leben verfasst. Das wollten wir Dir natürlich nicht vorenthalten!
Meine ersten siebzig Jahre
Da leb ich nu, bin siebzig Jahr
Bis hierher und nich weiter
De Knochen tun weh, Weißheit im Haar,
Doch, oft iss det leben och heiter.
Ick will jetzt nich klagen,
Dazu jibts jakeen grund.
ick kann det Essen jut vertragen,
ick fühl mir och noch kerngesund!
Wo is bloß die Zeit jeblieben,
bis jestern war noch vielle da.
wat hab ick die Jahre bloß jetrieben?
ick erzähl euch mal, wat früher war:
In Berlin, die ersten sechs Jahre im Krieg
da war ick noch zu kleene.
Als dat ick mir Bombennächte erinnerlich
Aba irgendwann wars rum - da war ick zehne.
Det Spielen der Kinder in Berliner Trümmern
War untersagt und sehr gefährlich
Doch darum tat ick mir nich kümmern
Wir spielten Zeck und dat war herrlich
Mit sechszehn macht ick in Spandau mein Haushaltsjahr
lernte putzen, waschen und nähn
sang freitags in Kirchenchor das Halleluja
und lernte nur langsam die Welt verstehn
Dann kam die Verlagslehre im Grunewald
Ick lernte rechnen und schreiben und wurde klug
Ick wurde älter, doch merkte ick bald
Fürs Leben wusste ick noch längst nich jenug.
Bald bin ick bei Bertelsmann in Gütersloh
Nach der Lehre meine erste Stelle
Mensch Frauen da war ick richtich froh
Ick war wech von Berlin janz so uff de Schnelle
Danach war ick dreißig und hatt n Kind
N kleenet Mädchen wie ick mal eens war
Und dazu – wat war ich noch so blind
War ick n Teil von nem Ehepaar
Dat war een Stress, zehn Jahre lang
Die janze Ehe hin und her
machte mich fast richtig krank
wat dran zu ändern war janz schwer
So lernte ick meen Leben neu jestalten
erfuhr wat ick an andern Frauen fand!
statt für den Ehemann den Kopp hinzuhalten
wurde ick lesbisch und sah eignes Land
Mit vierzig trat Safia in mein Leben
Ach Frauen, da gings richtig los
Wir Frauen haben uns so viel gegeben,
so wurde der Verein ganz groß
Mit fuffzig lag auf meinem Wege
ne rote Nase rund und schön
die ick nun fürs weitre Leben pflege
Und schluß ists heut mit dem Gestöhn.
Da leb ich nu, bin siebzig Jahr
Bis hierher und nich weiter
De Knochen tun weh, Weißheit im Haar,
Ganz oft iss det leben noch heiter.















