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Bundesweites Portal für junge Lesben

Die zwei Seiten der Diskriminierung

Kommentar aus der Gorizi-Onlineredaktion

In den letzten Jahren hat sich an der Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen liebe schon viel getan. Trotzdem ist das Ziel der kompletten Gleichstellung noch lange nicht erreicht… ein bisschen ist das aber auch selbst verschuldet. Intoleranz der Sexualität gegenüber haben wahrscheinlich alle Lesben schon auf direkte oder auch indirekte Weise erfahren müssen. Das Gefühl "Anders" zu sein - in den meisten Fällen wird es gar nicht durch öffentliches Anpöbeln oder gar Gewalt vermittelt, da reichen meist schon kleinere Dinge aus. Zum Beispiel die gute Freundin, die meint kein Problem damit zu haben, sich aber langsam von einem entfernt. Die Leute, die auf der Straße tuscheln, wenn man mit seiner Freundin Händchen hält (und das ist ja nun nichts im Vergleich zu dem, was manche heterosexuellen Pärchen in der Öffentlichkeit praktizieren). Oder die eigenen Großeltern, die sich, gezwungen durch den Wandel der Zeit, nun auch damit rühmen, Homosexuellen ganz offen gegenüber zu sein. Vor kurzem ist nämlich ein ganz sympathisches schwules Pärchen nebenan eingezogen. Homosexuelle als „normal“ anzusehen, scheint also auch für die älteren Herrschaften kein Problem mehr zu sein… - aber eben nur, solange es nicht in der eigenen Familie ist.

Da tut es doch richtig gut, wenn man auch Freunde hat, die es total cool finden, mit einer Lesbe befreundet zu sein, "denn so was hat ja nun nicht Jeder und überhaupt kann man da ja auch mal rumexperimentieren". Auch super wenn sich Stars in der Öffentlichkeit zu ihrer Sexualität bekennen und daraufhin eine reine Pressewelle losbricht, die darüber berichtet. Und die Einführung von einem Quoten- Homo pro TV-Serie (Friends, Dawsons Creek, O.C. California, Desperate Housewifes, Emergency Room, etc.) ist auch eine gerngesehene Entwicklung.

Über all diese Dinge können wir uns zu recht freuen, denn sie zeigen, dass Deutschland durchaus auf einem guten Weg ist, was Gleichberechtigung und Toleranz betrifft und dass wir uns nicht mit unserer Sexualität verstecken brauchen, sondern sie zu einem Grad ausleben können, von dem man in anderen Länder nur träumen kann. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass wir noch lange nicht an unserem Ziel, so behandelt zu werden, wie jeder andere auch, angelangt sind.

Von positiver Diskriminierung spricht man, wenn bewusst Mitglieder einer Minderheitengruppe bevorzugt oder hervorgehoben behandelt werden (z.B. eine Frauen- oder Behindertenquote in größeren Unternehmen). Zwar ist diese Form der Diskriminierung zeitweise notwendig, dennoch sollte jeder für sich darauf achten, dass sie nicht als selbstverständlich angesehen wird. Das Ziel einer jeden homosexuellen Bewegung sollte es letztendlich sein, eine Akzeptanz anzustreben, bei der die Sexualität von unseren Mitmenschen als gleichgültig betrachtet wird. Ein Outing als schwul oder lesbisch sollte nicht mehr als ein Schulterzucken auslösen. Doch auch die betroffene Gruppe der Homosexuellen ist nicht ganz unschuldig an dieser andauernden Diskriminierung.

Viele sind stolz auf ihre sexuelle Orientierung und zeigen das auch öffentlich. Es gibt aber auch einige, die in der Verherrlichung ihrer Lebensart anderen Lebensweisen gegenüber intolerant werden. Frauen, die heterosexuelle Männer grundsätzlich als schwanzgesteuert und heterosexuelle Frauen als geschmacksorientiert abstempeln, dürfen sich natürlich nicht wundern, wenn die Gesellschaft ihnen eher abweisend gegenübertritt. Zur Abgrenzung einer Gruppe gehören immer zwei. Diejenigen, die abgrenzen, und diejenigen die sich abgrenzen lassen. Die sich also bereitwillig indie Rolle der Minderheit fügen, und ihre gesamte Energie darauf verschwenden, sich selbst zu bemitleiden, anstatt zu beweisen, dass sie auch nicht anders - weder besser, noch schlechter - sind. <zlb>

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